Oberbilk

 

 

 

Oberbilk liegt östlich von Bilk, der Friedrichstadt und der Stadtmitte. Nördlich schließt sich Flingern-Süd an. Im Osten grenzt der Stadtteil an Lierenfeld und Eller. Südlich von Oberbilk liegt Wersten.

Auf 4,38 km² leben 27.570 Menschen. Der Ausländeranteil liegt mit rund 29 % etwa elf Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Stadt.

Das niedrige Niveau der Mieten hat Einwanderer aus verschiedenen Ländern angezogen. Auf der Ellerstraße ist ein marokkanisches Viertel entstanden. Rund um den Lessingplatz ist dieser Teil Oberbilks mittlerweile eher gutbürgerlich. Am südlichen Ende der Kölner Straße leben viele italienische und türkische Einwanderer, daneben auch viele Griechen und in letzter Zeit Einwanderer aus Osteuropa und Subsahara-Afrika. Neben alteingesessenen Geschäften gibt es mittlerweile zahlreiche Läden, die internationale Ware anbieten. Die Kiefernstraße mit ihrer ehemaligen Hausbesetzerszene, die Moschee an der Ronsdorfer Straße sowie die dort liegenden Diskotheken im ehemaligen Mannesmann Stahlwerk befinden sich bereits in Flingern-Süd oder Lierenfeld, sind aber durch Industrieflächen von diesen Stadtteilen abgetrennt, so dass sie eher mit Oberbilk eine städtebauliche Einheit bilden.

 

Industrialisierung (1838–1945)

1838 wurden die Trassen der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn und 1845 die der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft durch Oberbilk gelegt. Um 1850 stieg die Nachfrage nach Stahl für den Eisenbahnbau stark an und die Stahlproduzenten suchten nach neuen Standorten. Die gute Eisenbahnanbindung an die Kohlegruben des Ruhrgebietes sowie die günstigen Bodenpreise machten Oberbilk zu einem interessanten Standort für die Stahlindustrie. Das erste Puddelstahlwerk errichteten 1852 die Brüder Richard aus Belgien. Es folgten schon bald weitere belgische Industrielle wie Jean Louis Piedboeuf mit weiteren Puddelstahlwerken, einer Dampfkesselfabrik, einem Blechwalzwerk und einer Nagelfabrik. Im Jahre 1860 verlegte die Industriellenfamilie Poensgen ihre Werke nach Düsseldorf und legte schließlich den Grundstein zur Entwicklung der Großindustrie in Düsseldorf.

So rasch die industrielle Entwicklung fortschritt, so schnell bildeten sich Wohngebiete für die Arbeiter im Wesentlichen in Form komfortloser und billiger Mietskasernen. Die Mehrzahl der Arbeitskräfte wanderte aus recht unterschiedlichen Regionen und Milieus zu. Durch die auf Bahndämmen verlaufenden Gleise vom Rest der Stadt getrennt, entwickelte sich in Oberbilk dennoch eine eigenständige homogene Ortsteilkultur und Identität.

Mit drei Kinos, zwanzig Kneipen, darunter einer mit Hausbrauerei und gut einhundert Geschäften war die Kölner Straße mit dem Oberbilker Markt in der Mitte das Zentrum des neuen Stadtteils. Neben der Industrie und Arbeiterwohnhäusern spielte das Handwerk im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Stadtteils. Es handelte sich dabei um kleine Hinterhofbetriebe. Diese Mischung aus Wohnen im Vorderhaus und Kleingewerbe bzw. Handwerk im Hinterhof prägt Oberbilk bis heute.

 

Wiederaufbau und Niedergang (1945–1979)

Im Zweiten Weltkrieg wurde Oberbilk stark zerstört. Bis weit in die 1970er Jahre wurden die Kriegsschäden repariert, an eine Sanierung der Gebäude war auf Grund des niedrigen Mietniveaus oftmals noch immer nicht zu denken, so dass der Stadtteil zu verwahrlosen drohte, insbesondere

nachdem in den 1970er und 1980er Jahren die letzten Industriearbeitsplätze in Oberbilk verschwanden.

 

Strukturwandel (seit 1979)

Der Fortzug und Niedergang der Schwerindustrie aus dem Stadtteil boten auch neue Chancen für die Stadtentwicklung. Nachdem 1979 das Poensgen’sche Stahlwerk am südlichen Ende des Hauptbahnhofes nach Holthausen umgesiedelt werden konnte, konnte der Hauptbahnhof in Richtung Osten nach Oberbilk geöffnet werden. Mit dem Bertha-von-Suttner-Platz entstand ein zweiter Bahnhofsvorplatz, über den der Stadtteil fußläufig an den Hauptbahnhof und die Stadtmitte angebunden wurde. In den neu entstandenen Gebäuden um den Bertha-von-Suttner-Platz siedelten sich die Zentralbibliothek der Stadtbüchereien, die Volkshochschule, das zentrale Einwohnermeldeamt und mehrere Gerichte an.

1987 fand die Bundesgartenschau statt. Das 70 Hektar große Ausstellungsgelände, das überwiegend in Oberbilk lag, umfasste den Volksgarten und neu gestaltete Flächen südlich des bereits 1893 fertiggestellten Parks. Der Eröffnung waren auch umfangreiche Wohnumfeldverbesserungen in den Vierteln vorausgegangen um eine attraktive fußläufige Verbindung vom schon nach Osten geöffneten Hauptbahnhof zum BUGA-Gelände zu schaffen.

Von 1996 bis 2002 folgte der U-Bahn-Bau, der neben anderen Einflüssen dem alteingesessenen Einzelhandel auf der Kölner Straße die Existenzgrundlage entzog. Zwischenzeitlich wurde die gesamte Straße als Einkaufsstraße in Frage gestellt und drohte zu verwahrlosen. Im Rahmen einer 2,7 Millionen Euro teuren oberirdischen Neugestaltung der Straße in der Zeit von November 2003 bis September 2004 hat sich das Bild vorübergehend etwas gebessert. Im Sommer 2008 kam es jedoch zu Geschäftsaufgaben von zwei Kundenmagneten. Im Herbst wurde einer der letzten geschlossen. Leerstände erreichen neue Höchststände und der Anteil an Textildiscountern, Ramschläden und Schnellimbissen ist stark gestiegen.

Östlich der Werdener Straße und südlich der Erkrather Straße wurde seit Ende der 1980er Jahre auf einem ehem. Werksgelände der Daimler AG ein neues Bürogebiet entwickelt, das „IHZ Internationales Handelszentrum“. So konnten unter anderem PricewaterhouseCoopers, die Deutsche WertpapierService Bank und ein Vier-Sterne-Hotel der spanischen Kette NH Hoteles angesiedelt werden. Der Standort wurde mit dem 4 ha großen IHZ-Park aufgelockert, dem sich ein neues Wohngebiet anschließt. 1999 wurde Oberbilk zudem in das Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen „Soziale Stadt NRW“ aufgenommen. Für Oberbilk und das benachbarte Flingern wurde ein Finanzvolumen von 24 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. 2010 wurde am Oberbilker Markt der Neubau des Düsseldorfer Land- und Amtsgericht eröffnet.

Das Gelände der Deutschen Post AG zwischen Kölner Straße und Erkrather Straße ist inzwischen in Besitz der Catella Corporate Finance GmbH übergegangen. Im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs 2011 haben das Büro Delugan Meissl den 1. und Jürgen Mayer Hermann den 2. Platz erzielt. Geplant wird bei dem nunmehr „Living Central“ genannten Projekt ein neues Stadtquartier mit bis zu 1.000 Wohnungen sowie Hotels, Kindertagesstätten und Einzelhandel.

In der Realisierung ist 2016 bereits die Umwandlung des ehemaligen Güterbahnhofs Düsseldorf-Lierenfeld auf Oberbilker Gebiet. In unmittelbarer Nähe zum Land- und Amtsgericht entstehen zahlreiche neue Wohnungen.

 

Seelsorge

 

Offenes Seelsorge- und Gesprächsangebot finden sie beim Kirchengemeindeverband Düsseldorf Ober- und Unterbilk, Friedrichstadt und

Eller-West auf der Webseite:

http://www.sankt-peter-friedrichstadt.de 

(siehe unter dem Punkt AKTUELLES oder KONTAKT --> SEELSORGE)

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© Hermann-Josef Müller